Wandertrends 2019

Wandertrends, Wandern Schweiz 2019
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Meine erste Wanderung organisierte ich im Sommer 2004. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass daraus mal etwas richtig Grosses entstehen könnte. Von Webseiten erstellen hatte ich keine Ahnung und konnte lediglich ein Internetforum für Wanderer eröffnen. Diese Foren waren damals allgegenwärtig, wurden aber später zu einem grossen Teil von den sozialen Medien, allen voran Facebook, verdrängt. Heute ist «Naturerlebnis Alpen – das Schweizer Wanderforum», im Netz nicht nur hier mit einem eigenen Online-Magazin vertreten, sondern auch auf Facebook und Instagram.

Das heisst: Fast 15 Jahre beschäftige ich mich mit Wanderungen, lernte Tausende wanderlustige Menschen kennen und erlebte in der Zeit auch, wie sich das Bewusstsein vieler Wanderfreunde änderte – weg von «höher-schneller-weiter», was ich sowieso von Anfang an ablehnte, und hin zu wirklichen Genusswanderungen. Nun könnte man meinen, das läge am Alter, aber dass dem nicht so ist, beweisen die Wandertrends 2019, auf die ich nachfolgend näher eingehen werde.


Foto: Sabine Itting, Wanderung auf dem Haldi im Kanton Uri

Warum Wandertrends 2019?

Wenn ein Jahr zu Ende geht, stossen wir überall auf Jahresrückblicke sowie Trendvorhersagen für das kommende Jahr. Nun soll ein Trend freilich nicht als Vorschrift angesehen werden, dem man sich unbedingt anzuschliessen hat. Viel mehr zeigt er eine starke Tendenz an und in welche Richtung sich eine Sache entwickelt. Was liegt da näher als, wenn ich mich sowieso beinahe täglich in irgendeiner Form mit Wandern und Wanderungen beschäftige, die aktuellen Trends einmal näher zu betrachten.

Los geht’s:



Der Wandervirus befällt die Städte – Wandertrend Stadtwanderungen

Berthold Brecht sagte eins: «Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte.» Glücklicherweise ändern sich die Stadtbilder, auch die Leute, die zwischen Beton leben, holen sich immer mehr und mehr Grün in ihre Umgebung. Stichwort: Urban Gardening! Ein Wandertrend, der immer mehr Anhänger finden dürfte, sind Stadtwanderungen. Parkanlagen und Wälder lassen sich perfekt mit Sightseeing verbinden. Was mich zum Beispiel auf unserer Stadtwanderung in Berlin am meisten überrascht hat, waren die kleinen Parkanlagen, Grünflächen und vor allem viele herzige Vorgärten – in Gehdistanz vom Alexanderplatz.

Genusswanderungen sind jetzt endlich so richtig Trend

Ich habe schon immer Genusswanderungen organisiert und wir wurden früher öfter belächelt. Der echte Wandersmann, die richtige Wandersfrau unterbot die Zeiten auf den Wegweisern und erzählte am folgenden Tag nicht von Kräutern und Blumen am Wegrand, sondern von Höhenmetern und Wanderstunden. Okay, das mag jetzt etwas überspitzt tönen, aber es war fast jede Woche jemand dabei, der keine Augen und kaum Zeit für die Naturschönheiten ringsum hatte. Das Wort “Genusswanderungen” war längst nicht so geläufig wie heute. Natürlich sind auch wir oft viele Stunden und etliche Höhenmeter unterwegs, aber dabei auf die Uhr schauen? Nein, wir schauen auf die kleinen Dinge am Wegrand, nehmen uns Zeit fürs Picknick und einen Schwatz mit dem Älpler oder mit einer Kuhherde. Ein Trend der mich wirklich freut: Ich lese immer öfter von Genusswanderungen und Naturerlebnisse sind im Trend und werden das auch bleiben!

Die Jugend zieht es in die Natur – Wandertrend dank sozialer Medien

Selfie beim Wandern
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Man mag ja von den Selfiewahn halten, was man möchte, aber wer sich in beeindruckenden Landschaften zeigen will, muss die Wanderschuhe schnüren. Viele Junge holen sich auf Instagram und Co Inspirationen und lassen sich vom Wandervirus anstecken. Schon 2017 bestätigte wanderungen.ch, dass fast die Hälfte der Nutzer zwischen 18 und 34 Jahre jung waren. Übrigens zeigt das auch ein Blick in die Statistik des Wanderforum Instagram Accounts: Die meisten Follower sind im Alter zwischen 25 und 34, gefolgt von den 18 bis 24-jährigen. An dritter Stelle kommt die Altersgruppe 35 bis 44. Klar könnte man jetzt argumentieren, dass von den Älteren wohl viel weniger auf Insta unterwegs sind. Mag sein, aber es gäbe auch ausreichend andere Themen, denen die Jüngeren folgen könnten.

Wanderoutfit – Wandertrend hochwertige Ausrüstung ohne Markenwahn

Inzwischen wandert fast jeder. Die einen gelegentlich, die anderen so oft wie möglich. Während sich manche überhaupt keine Gedanken um ihre Ausrüstung machen und mit Turnschuhen in den Bergen herumlatschen, müssen es bei anderen unbedingt die ganz grossen Marken sein. Dann erwähnt man unterwegs auch immer wieder gerne, wie viel diese gekostet haben und versucht, sich damit selbst aufzuwerten. Okay, das ist nun nicht nur ein Wanderthema, dem Markenwahn verfallen Menschen in ganz verschiedenen Lebensbereichen. Der Trend zeigt jedoch ganz klar, dass Qualität und gutes Aussehen der Wanderklamotten und Wanderschuhe absolut wichtig sind, aber immer weniger bereit sind, für einen Markennamen zu zahlen. Ich bin da ja immer ein bisschen auf der Suche und am Googeln, und finde hin und wieder Outdoor-Labels, die mich begeistern. Guggen Mountain zum Beispiel, ist ein junges Unternehmen, über das ich zuerst einfach wegen seiner coolen Webseite gestolpert bin. Die werde ich auf jeden Fall bald mal testen.

Erlebniswanderungen – Wandertrend: Familienwanderungen

Familienwandern
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Niemand mag quengelnde Kinder über die Wanderwege zerren. Also bleibt man lieber daheim vorm Fernseher? Blödsinn! Es gibt immer mehr Themenwanderwege und richtig lässige Erlebniswanderungen, an denen Kinder total den Plausch haben. Und da, wie bereits vorher erwähnt, immer mehr junge Leute das Wandern als Hobby entdecken, fällt es auf, dass viele junge Familien mit Rucksack und Wanderschuhen unterwegs sind. Googelt einfach mal eure bevorzugte Region, es gibt wirklich immer mehr Wanderangebote für Gross und Klein! Die Eltern machen es vor, die Kleinen sind begeistert dabei: Wandern mit der Familie oder in einer gemischten Gruppe ist total lässig! Es müssen auch nicht immer die Bergregionen sein, wandern macht auch im Flachland Spass, besonders dann, wenn zum Beispiel ein Fluss, ein Tierpark oder See in der Nähe ist. Mein Tipp: Von Bauen nach Flüelen, auf dem Weg der Schweiz. Diese Strecke ist für Familien einfach optimal!

Warum in die Ferne reisen – Wanderferien liegen im Trend

Es ist nicht nur eine Frage der Zeit und des Budgets, wohin die nächste Ferienreise gehen soll. Weitere Faktoren: Sicherheit und Erholungswert. Tatsächlich bevorzugen immer mehr Erholungssuchende, die schönste Zeit des Jahres im eigenen Land oder in den Nachbarländern zu verbringen. Fernwanderungen liegen sehr im Trend. Es muss ja nicht unbedingt der Jakobsweg sein. Verschiedene Weitwanderwege führen durch die Schweiz und innerhalb unserer Landesgrenzen gibt es auch tolle Möglichkeiten für Wanderferien, zum Beispiel auf dem Alpenkranz Uri oder der Senda Sursilvana. Ausserdem bieten sich Wanderferien an einem festen Ort, der von herrlichen Wanderwegen umgeben ist, an. Da fällt mir spontan Nauders in Tirol ein!

Die Naturnähe zeigt sich übrigens auch in den Unterkünften. Wie auch in diesem Jahr, so werden 2019 wohl Hütten, Ferienwohnungen, Airbnb in Bergregionen und Berggasthäuser gut gebucht sein.

Trage Sorge zur Natur – ein lobenswerter Trend …

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Wir Wanderer nehmen es immer weniger als selbstverständlich hin, dass wir auf gepflegten Wanderwegen unterwegs sein dürfen. Und doch gibt es immer noch Umweltsünder. Ein Trend, der sich im neuen Jahr fortsetzen und weiterverbreiten dürfte, ist der, Abfall aufzulesen und mitzunehmen. Also nicht nur den eigenen Verpackungsmüll nach dem Picknick wieder in den Rucksack zu stecken, sondern auch Dosen, Zigarettenpackungen und ähnliches aufzuheben und nicht einfach in Wald und Flur liegenzulassen. Auch das Bewusstsein für Naturschutz wächst: Sinnloses Abreisen von Pflanzen, rücksichtsloses Verhalten gegenüber Flora und Fauna, übermässig viele Heilpflanzen, Beeren und Pilze ernten etc. sieht man immer weniger. Die Rede ist aber von echten Wanderern und Wandergruppen. Leider fehlt noch immer manchen Ausflüglern das Verständnis für die Umwelt. Wanderer allerdings, das ist meine Beobachtung, machen den Trend mit und werden den auch 2019 weitertragen, denn:  Wir brauchen die Natur. Sie braucht uns nicht.

 

Das waren meine Beobachten und Recherchen zum Thema «Wandertrends 2019». Möchtet Ihr etwas ergänzen, diskutieren, fragen …? Dann hinterlasst bitte einen Kommentar!




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