Schnee, Schnee, Schnee – Vergnügen und Gefahren

Tiefster Winter in der Schweiz – zu viel Schnee für Winterwanderungen

Raclette oder Grillieren im Schnee: Beides macht Spass und wäre eine gute Alternativen zur (vom Bundesrat verbotenen) Einkehr im Gasthaus. Die derzeitige Schneesituation macht uns einen Strich durch die Rechnung.

Wann wird unsere Wandergruppe endlich ins neue Wanderjahr starten können? Ich weiss es nicht. Aber Sicherheit geht vor!

(Nicht nur) das Appenzellerland liegt unter einer dicken Schneedecke

Inzwischen habe ich meinen temporären Job im Zürcher Oberland beendet und bin zurück im Appenzellerland. Hier wollte ich euch für kommendes Wochenende zu einer Winterwanderung mit Raclette-Essen im Chlusbachtobel einladen. Es gäbe geeignete Picknickplätze mit Tischen, die ausreichend auseinanderstehen, damit sich an der frischen Luft alle angstfrei ohne Masken bewegen können. 😉 Raclettekäse hatte ich bereits gekauft. Ich werde ihn einfrieren. Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.

Viel Schnee in Brülisau
Foto: Sabine Itting

Wir haben sooooo viel Schnee, wandern liegt auch mit Schneeschuhen derzeit nicht drin. Damit geht es uns wie vielen anderen Regionen auch. Pfaden nützt aktuell kaum etwas, die Wege sind ruckzuck wieder verschneit. Das Foto ist von gestern, inzwischen sieht es ganz anders aus. Es schneit und schneit …

Ausfallende Züge, Lawinengefahr: Willkommen im Schweizer Winter!




Bitte schickt mir jetzt keine Ideen, wo wir im Moment wandern könnten: Sobald mehr Schnee als üblich fällt, fallen Züge aus oder haben massive Verspätungen. Dieses Risiko gehe ich nicht ein. Dazu kommt in einigen Regionen derzeit massive Lawinengefahr.

Wir holen alles nach, inkl. Raclette ;-)! Sobald sich die Wettersituation normalisiert hat, wird sich eine kleine Wandergruppe irgendwo zwischen Bodensee und Zürichsee treffen.

Wenn Wintersport keinen Spass mehr macht

Ich möchte ja keine Spassbremse sein. Aber in den letzten Tagen wurden in der Schweiz einige Lawinen ausgelöst und es werden nicht die letzten sein. Nicht immer ist es “halt einfach Natur”, oft ist Leichtsinn der Wintersportler, gepaart mit Dummheit, die Ursache.

Hans / Pixabay – Symbolbild

Wer den Nervenkitzel, sein Leben aufs Spiel zu setzen, braucht, sollte sich vorher mal überlegen, wie viele andere Menschen er damit ebenfalls in Gefahr bringt! Die Bergung der von Lawinen Verschütteten ist für die Rettungsmannschaften ebenfalls mit grossen Gefahren verbunden, weitere Lawinenabgänge sind nämlich immer möglich.

Die Lawinen Katastrophe im Diemtigtal 2009

So hat zum Beispiel Ende 2009 im Diemtigtal auf der Alp Kiley ein Notarzt seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt. Beim Rettungseinsatz löste sich eine zweite Lawine und erfasste ihn. Er starb noch am selben Tag im Spital. Insgesamt kamen bei dieser Katastrophe sieben Menschen zwischen 38 und 61 Jahren ums Leben. Die Ursache welche die Lawine auslöste, wird wohl nie definitiv gefunden werden. Ob es auch an diesem Tag so war … ich weiss es natürlich nicht, aber ein Älpler hat mir vor Jahren erzählt, dass viele ortsunkundige Skifahrer so fasziniert von der wundervollen Region sind, dass sie Warnungen oder Ratschläge der Einheimischen einfach nicht ernst nehmen. Selbst aufgestellte Warnschilder würden nicht beachtet. Aber das berichten auch Bewohner anderer Bergregionen, ob Sommer oder Winter: Vor allem Touristen unterschätzen die Risiken leicht und überschätzen sich selbst. Sie setzen in den Bergen immer wieder Ihr Leben, das anderer Sportler und auch das der Bergretter aufs Spiel.

Wichtige Tipps und Links – so kommt ihr trotz hoher Lawinenwarnstufe sicher durch den Winter




  • Wenn ein Schneeschuhtrail gesperrt ist, ist er nicht gesperrt, um die Wanderer zu ärgern, sondern weil es höchst gefährlich wäre, auf diesem Weg unterwegs zu sein. Also: Umkehren! Und wenn es keine Alternative gibt, dann gönne dir in der nächsten Bergbeiz ein Bier oder ein Fondue, geniesse es und fahre gesund und munter wieder nach Hause.
    (Sollten die Bergbeizen gerade geschlossen sein, weil Herr Berset das befohlen hat, dann überlege dir doppelt, ob du überhaupt an eiskalten Tagen in die Berge fahren möchtest.)
  • Spätestens ab Stufe 2 auf der Lawinengefahrenskala, also ab Gefahrenstufe «mässig» gibt es in diesem Gebiet keine Wanderforum-Wanderungen mehr. Wer trotzdem unterwegs sein möchte, sollte sich spätestens ab Stufe 3 (erheblich) lawinenkundigen, ausgebildeten Schneeschuhführern anschliessen.
  • Solche Schneeschuhführer und Bergführer findest du, indem du das Tourismusbüro der Region, in die es dich zieht, anfragst. Oder besuche die Webseite des Schweizer Bergführerverbandes.
  • Informiere dich vor und auch während deines Ausflugs in den Schnee auf dem Lawinenbulletin, die Seite wird regelmässig, mehrmals täglich, aktualisiert.
  • Speichere dir die Telefonnummern des Lawinenbulletins: 178
    und der Rega: 1414. Eine Rega Gönnerschaft ist übrigens sowieso empfehlenswert.
  • Sei flexibel. Auch wenn du dich schon lange im Voraus auf deine Winterferien gefreut hast und unbedingt Schneeschuhlaufen, Winterwandern oder Skifahren möchtest: Die Natur bestimmt, ob das am gebuchten Datum möglich sein wird oder eben nicht. Was du für den Wintersport brauchst, sind eine gute Ausrüstung, eine sinnvolle Vorbereitung und ausreichend Vernunft. So wie ein Sommerurlaub mal ins Wasser fallen kann, kann ein Winterurlaub nun mal buchstäblich im Schnee versinken. Mach das Beste draus und verwechsle nicht Mut mit Dummheit!!

Noch ein Hinweis:




diapicard / Pixabay – Symbolbild

Die derzeitige Situation in den Bergen ist auch für Wildtiere eine grosse Herausforderung. Sich im Tiefschnee fortzubewegen, zehrt an ihren Kräften und zusätzlicher Stress durch rücksichtslose Schneeschuhwanderer sollte unbedingt vermieden werden! Dort, wo keine Lawinengefahr besteht, könnt ihr natürlich Schneeschuhtouren geniessen, aber bitte bleibt auf den Wegen und latscht nicht einfach querfeldein!

 

 

Winterwanderungen, die ich für Wandergruppen organisiere, werden möglicherweise kurzfristig abgesagt oder geändert. Ich gehe keinerlei Risiken ein! Im Moment dürfen wir ohnehin nur in Kleingruppen wandern, so sind wir allgemein flexibler.

Wir sehen uns sicher bald wieder, da bin ich optimistisch!

 

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