Amsel, Drossel, Fink und Star – WO ist die ganze Vogelschar?

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Das Verschwinden unserer Singvögel

Auf Wanderungen und auf Facebook hatte ich in letzter Zeit öfter mal das Thema “Wo sind die Singvögel hin?” in die Runde geworfen. Erschreckend, wie wenig Personen ebenfalls auffällt, dass unsere gefiederten Freunde immer mehr verstummen.

Amseln, die eigentlich dafür bekannt sind, ziemlich furchtlos in Nähe der Menschen ihre Nester zu bauen und die Jungen aufzuziehen, hört und sieht man kaum noch. Nester, in denen alljährlich gebrütet wurde, sind leer. Und wenn doch mal eine Amsel ihr Liedchen anstimmt, dann heisst das noch lange nicht, dass ihr Bestand nicht dramatisch zurückgegangen wäre.

Auch wenn Kollegen meine Beobachtung scheinbar nicht teilen oder eine gewisse Gleichgültigkeit an den Tag legen (Hallo, Naturfreunde??!), so bestätigte das Birdlife-Naturzentrum Neeracherried, welches wir neulich auf einer Wanderung besuchten, meine Bedenken: Der Bestand an einheimischen Vögeln geht erschreckend zurück.

Im Mai 2018 schrieb die NZZ, dass viele Arten bedroht sind, die Schweiz ist alles andere als ein Vogelparadies. Als Gründe werden die dichte Bebauung, der hohe Einsatz an Pestiziden und die intensive Bewirtschaftung des Kulturlandes genannt. Im Detail heisst das:




  • Ein Projekt von Birdlife Schweiz kam zur Erkenntnis, dass nicht nur die Anzahl, sondern auch die Artenvielfalt der Vögel in unserem Land abnimmt
  • Fast 40 Prozent der hier vorkommenden Vogelarten stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten. (Zum Vergleich: international sind es durchschnittlich 13 Prozent).
  • Auch wenn die Landwirtschaft eine Teilschuld am Verschwinden unserer Vögel trägt, so ist es ungerecht, sie allein verantwortlich zu machen.
  • Starke Besiedlung, Luftverschmutzung, die enorme Zunahme an Flugreisen nehmen den einheimischen Vögeln ebenso die Lebensgrundlage, wie neue Insekten, beispielsweise die Baumwanze oder Asiatische Marienkäfer.
  • Es gibt zu wenig Naturrasen, Gartenbesitzer mähen zu häufig und pflanzen zu viel nichteinheimische Pflanzen. Auf dem Speiseplan der Vögel stehen Insekten und Spinnen, diese kommen dort vor, wo sie einheimische Bäume und Sträucher sowie Wiesen voller – ebenfalls einheimischer – Blüten, Gräser und Kräuter finden.(Quelle nzz.ch)

Der Mensch nimmt den Vögeln den Lebensraum.

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Dort, wo Menschen wenig in die Natur eingreifen, also vor allem in Wäldern und auf den Alpen, könnt ihr noch immer Vogelarten beobachten, die heute längst nicht mehr ans Vogelhäuschen oder in den Garten kommen.

Stefan Bachmann, Pressesprecher von Birdlife Schweiz: «Wir haben eine moralische und ethische Verantwortung gegenüber der Natur.»

 

Ich weiss nicht, warum es sogar Menschen, die ihre Freizeit so gerne in der Natur verbringen, relativ kalt lässt, dass die Pfeifkonzerte der Gartenvögel immer mehr verstummen. Ich schreibe diesen Beitrag an meinem Schreibtisch in einem Bündner Bergdorf, draussen trällert, singt und zwitschert es, genau so, wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Kinder, die jetzt in den Städten und der Agglomeration aufwachsen, werden die bunte Vogelwelt und wie es ist, morgens mit deren lebensfrohen Gesang aufzuwachen, gar nicht kennenlernen.

Was könnt ihr tun, um die einheimischen Vögel zu unterstützen?

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  • Baut einheimische Sträucher und Büsche an, lasst Brennnesseln und Disteln stehen, sät oder pflanzt zum Beispiel Rüebli und Fenchel an.
  • Sät bunte Blumenwiesen oder lasst wenigstens am Rand der Wiesen oder rund ums Haus Wildblumen und Kräuter wachsen.
  • Stellt im Sommer Vogeltränken auf Balkon und Garten – natürlich so, dass keine Katze dahin gelangen kann. Die Wasserstelle sollte möglichst täglich gereinigt werden, damit keine Krankheiten übertragen werden.
  • Zur ganzjährigen Fütterung gibt es verschiedene Meinungen, ich verlinke euch hier mal einen guten Artikel zum Thema «Vögel das ganze Jahr füttern». Auf dieser Seite findet ihr insgesamt ganz viele wertvolle Tipps rund ums Füttern von Gartenvögeln.

Möchtet ihr wissen, welcher Vogel zu welcher Zeit singt?

Dann klickt bitte hier, ich darf natürlich die Vogeluhr nicht einfach von der Seite stehlen.

Meine eigenen Beobachtungen:

Ich habe diesen Winter am Fenster und auf dem Balkon gefüttert. Zwei- dreimal war eine Meise zu Gast, Spatzen kamen in Scharen. Ansonsten “prügelten” sich auffallend viele Elstern um das Futter.

Kernbeiser, Fink, Hausrotschwanz, Rotkehlchen, Gimpel und Co haben mich in Oberglatt noch nie besucht.

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Dafür kann ich in den Bündner Bergen im Wald viele aus der Kindheit bekannte Vögel wiedersehen. Wenigstens hier haben sie noch einen idealen Lebensraum. Drosseln habe ich vorgestern zum ersten Mal seit Jahrzehnten gesehen. Und der farbenfrohe Gimpel mutet heute schon exotisch an.

Auf der EmmentalErleben Wanderung zeigte uns eine Bauernfamilie Schwalben, die in ihren Stall brüten, aber auch viel weniger als früher.

Ach ja, und heute Morgen sass tatsächlich hier im Bergdorf ein kleiner Star auf meinem Fensterbrett und sah mir beim Arbeiten zu. 🙂








3 Kommentare

  1. Liebe Sabine
    Diese Beobachtungen kann ich bestätigen. Ueber die Gründe können wir nur Vermutungen anstellen. Die Landschaft wurde nach dem Kriege ziemlich ausgeräumt, das heisst die Wiesenbächlein alle zugedeckt und die Hecken dabei gleichzeit entfernt. Feuchte Stellen wurden konsequent melioriert. Das Thema die Spritzmittel hast du schon erwähnt, denke aber die heutigen Mittel sind harmlos gegen das was vor Jahrzehnten angewendet wurde. Dann kam vor etwa 20 Jahren die Mode auf, dass jede Wiese nach dem Weidegang gemulcht wird. Das ist eine Maschine welche alles übrig gebliebene bis auf den Boden abschlägt, die Maushaufen und die Kothäufchen verteilt und das überlebt klein Kleintier, keine Raupe, kein Insekt, keine Blindschleiche, kein Frosch, keine Kröte, kein Salamander. Als mein Vater seine Wiesen noch mit dem Motormäher gemäht hatte, entdeckte man nach der Heuaufnahme, manchmal tote Tiere die es erwischt hat. War auch nicht gut, aber der Beweis, dass es sie damals noch gab. Heute ist der grosse Teil der Wiesen bezüglich Kleintiere tot. Du sprachst zwar von den Vögeln, hängt aber alles irgendwie zusammen. Weisst du, dass unsere Landwirtschaft dank ihrer Kaufkraft Futtermittel importiert, die auf einer Fläche gewachsen ist, welche etwa gleich gross ist wie die ganze Ackerfläche in der Schweiz. Wenn das alle Länder machen wollten, dann müssten wir einen zweiten Planeten für den Futteranbau an die Erde anhängen. Die üblen Folgen sind: erstens wird mit den importierten Futtermitteln die Jauchemenge verdoppelt und zweitens wird mit diesem Futter unnötigerweise im Land mit den weltweit höchsten Löhnen Lebensmittel produziert, welche viel günstiger in den Ländern produziert werden könnten wo diese Futtermittel herkommen. Dann wundern wir uns noch, dass unsere Lebensmittel doppelt so teuer sind wie über der Grenze und fluchen. Ich könnte noch lange so weiter schreiben, es genügt nun.
    Herzliche Grüsse

    • Ganz herzlichen Dank für deinen langen und wertvollen Kommentar! Auch ich hätte noch wesentlich mehr zum Thema schreiben können, habe aber vor, es öfters mal wieder aufzugreifen. Mit den Vögeln habe ich begonnen, die liegen mir aus privaten Gründen ganz besonders am Herzen.
      Bezüglich den Machenschaften “der Landwirtschaft” kenne ich mich zu wenig aus, ich helfe auf einem Bio-Berghof. Wir heuen gerade was das Zeug hält und füllen den Speicher mit Futter für den Winter. Ich sage immer, es müsste jeder mal mit angepackt haben, um überhaupt schätzen zu können, was die Menschen hier oben leisten. Aber motzen, wenn ein Schnitzel teurer als eine Cola ist …
      LG und einen schönen Abend, Sabine

  2. Vielen Dank für den interessanten Artikel über unsere Singvögel. Habe das gerne gelesen. Ich bin bei der Wanderung zum BirdLife-Naturzentrum Neeracherried dabei gewesen. Danke und Gruss.

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