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Toggenburger
Klangweg
(Dankeschön an Micha aus dem Allgäu, der diesen Wanderbericht
schrieb und die schönen Fotos dazu machte)
An Ostern lud das Wetter zu einer Wandertour ein, deren Beschreibung ich im Internet bei „Wanderungen rund um den Bodensee“ entdeckt hatte: dem Toggenburger Klangweg im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Als Verehrer des begnadeten Künstlers Hugo Kükelhaus, der u.a. Barfusspfade „erfunden“ hat, bin ich seit Jahren immer für Erlebnisse zu haben, die mit der Erfahrung unserer Sinne zu tun haben. So war ich schon mächtig gespannt, was sich wohl hinter der spannenden Beschreibung von insgesamt 22 Stationen der Klangwelt in den Bergen verbergen würde. Begriffe wie „Flötenzaun“, „Milchkarusell“, „Klangmühle“ oder „Klangnest“ hörten sich für meine Ohren ja schon sehr spannend an. ![]() Die Anfahrt über Lindau, Bregenz, Buchs und Gams war zwar noch nicht sonnig, aber bei der Ankunft in Wildhaus brachen sich die ersten Strahlen ihre Bahn, gaben den Blick auf die Churfirsten und den … frei und 13° versprachen angenehmes Wanderwetter. Nach kurzer Orientierung auf der Wanderkarte an der Tourist-Info unterhalb des Hausbergs, dem Wildhuser Schafberg, stellte ich mein Auto auf den Parkplatz des Sessellifts Wildhaus-Oberdorf. Es sollte allem Anschein nach der einzige PKW dort an diesem Tag bleiben, denn irgendwie war Zwischen-Saison: die Skilifte außer Betrieb, denn im Tal hatte es praktisch keinen Schnee mehr und für die Bergbahnen war’s noch zu früh … die machen erst Anfang Mai auf. Das hatte aber auch den Vorteil, dass ich sehr wenigen Wanderern begegnete, so dass ich diesen Tag wirklich in Ruhe genießen konnte. Also Wanderschuhe an, kurz einen Dalmatiner begrüßt, der dort gerade mit seinem Herrchen einen Morgenspaziergang absolvierte und dann ging’s in höhere Gefilde. Allerdings erwies sich das Unterfangen schon bald als schwierig, denn ich wählte statt der Teerstraße, die etwas länger ist, die diritissima. Und dort lag noch jede Menge Schnee, der den Weg oft genug verdeckte. Aber ich hatte ja den Berggasthof Oberdorf immer im Blick, und wusste deshalb wo’s lang geht. Schneeschuhe hätten es zwar einfacher gemacht, doch es ging auch so. Und so kam ich nach einer Dreiviertelstunde am Gasthof an, der komplett renoviert und erweitert wurde. Nur mit der Öffnung wurde es halt nix mehr. So bestand das Après-Ski lediglich aus einem Paar vergessener Skistöcke und Skischuhe. Dafür brach sich an manchen Stellen der Frühling mit Riesenschritten Bahn mit jeder Menge weißer Krokusse, Primeln, Sumpfdotterblumen und einigen, mir unbekannten, Bergblumen, die keck ihre Blüten der Sonne entgegen streckten. Auch ein Golfball fand sich beim Aufstieg mitten im Schnee. Was für ein Abschlag - der Golfplatz in Gams liegt mind. 7 km entfernt *smile! Nach gemütlicher Brotzeit auf der sonnenüberfluteten Dachterrasse des Gasthofs ging’s dann Richtung Aufstieg zum Klangweg. Da dieser aber noch etwas höher durch’s Gelände führt, war fast schon zwangsläufig klar, dass auch er schneebedeckt sein würde. Und so war’s auch. Weil aber die Begehung selbst mit Schneeschuhen unmöglich und praktisch unsinnig war, entschloss ich mich auf dem normalen Wanderweg weiter Richtung Iltios zu laufen. So ging’s über feuchte, z.T. schneebedeckte Wiesen Richtung Schwendiseen, vorbei an zahlreichen rauschenden Wasserfällen, die wegen der sonnenbedingten Schneeschmelze immer mehr Wasser führen. Aber das war eben ein anderes Klangerlebnis. Ein richtiges hatte ich dann kurz darauf doch noch. Der Weg führte an diesem Tag zur einzigen Erlebnisstation des Klangweges, der „Melodiengampfi“. Station 1 des Klangwegs. Dort sind die Buchstaben des Begriffs „Toggenburger Klangwelt“ aus Metallplatten ausgesägt und mittels Drahtseilen an 2 Metallschienen aufgehängt. Erstens hob sich die Gampfi gegen Wald und Schnee schon mal optisch kontrastreich ab. Und genauso spannend war’s dann, mit den beigefügten Holzstöcken diese Buchstaben anzuschlagen und so zum klingen zu bringen. Klasse, wie die Töne in der ländlichen Ruhe selbst noch beim Abklingen lange zu hören waren, sich von einem Ohr zum anderen bewegten, sich irgendwann in die Lüfte emporschwangen, um nach einiger Zeit in der Ferne zu verschwinden. Da bin ich schon wirklich unheimlich auf meinen nächsten Besuch im Juni gespannt. ![]() Auch das Naturerlebnis Schwendiseen und Schwendimoore war natürlich noch schnee- und eisbedeckt. Es bietet aber immer Sommer sicher jede Menge Spannendes und erlebnisreiches, über das auf vielen Schautafeln rund um die Seen, auch für Kinder, ausführlich berichtet und erklärt wird. Vom Beobachtungssteg des vorderen Sees lugten nur ein paar Begrenzungspfähle und die Badeleiter aus Schnee und Wasser. Ob ich mich allerdings bei Badewetter dazu durchringen kann in dem See zu baden und möglicherweise von einem der zahlreichen 10-15 cm langen Blutegel angezapft zu werden, lass ich mal dahingestellt. Da hab ich dann lieber die Enten mit altem Brot gefüttert und mich mit einem herzigen Hundemischling unterhalten. ![]() Nach diesem herrlichen Rundwanderweg machte ich mich langsam wieder auf den Rückweg. Dabei fielen mir immer wieder kleine (ca. 1 cm) herrlich metallisch blau schimmernde Käfer auf, die dort in Scharen herumflogen. Allerdings gab’s davon so viele, dass einige immer wieder ihr Leben unter einem Autoreifen begraben mussten. Oft genug blinkten mich jedenfalls sonnenbestrahlte blaue Metallflecken auf der Strasse an. Herrlich war aber immer wieder der tolle Blick auf die Landschaft mit ihren Häusern und Bauernhöfen, die dort teilweise an den Hängen klebten, und ihre darüber thronenden Berge. Am frühen Nachmittag erreichte ich Wildhaus, wo mich der Weg noch an einem Trödlerlädeli, der Wildhauser Fundgrube, und dem Puppentheater vorbeiführte, die beide leider auch geschlossen hatten. Zum Abschluss gab’s noch einen Kaffee und nach einem letzten Blick auf Schafberg, Säntis, Gamsberg und wie sie alle hießen machte ich mich auf den Heimweg. Vorbei an all den prachtvoll blühenden Frosythiensträuchern und Magnolienbäumen und den schneebedeckten Schweizer Bergen. Ostern mal etwas anders. ![]() Ich komm hier sicher wieder gerne her. Wer möchte, kann dann gerne mit. Der Klangweg, der übrigens unterhalb des Chäserrugg und der Churfirsten entlangführt, dauert incl. Pause und Sinneserfahrungen insgesamt ca. 5 Std. und ist auch für Kinder gut geeignet. Er ist in insgesamt 3 Etappen aufgeteilt und kann praktisch nach jeder Etappe wieder beendet werden. An jeder Bergstation gibt es Kinderspielplätze und entlang des Weges einige Grillplätze. Und vom Preis her ist sicher das Klangweg-Billett interessant, das für CHF 19,- eine Berg- und eine Talfahrt sowie eine Fahrt mit dem Postauto zurück zum Ausgangspunkt beinhaltet. Zudem gibt’s in dem Gebiet noch weitere interessante Themenwege wie den Geologischen Rundweg, den Bergblumenweg, den Waldlehrpfad und den Sagenweg. Also noch jede Menge zu erfahren und zu entdecken. |