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Gemütiche Wanderung
von Andermatt nach Realp (Kanton Uri)
Am Freitag wollte ich
endlich mal wieder in die Berge. Der
Wetterbericht sah nicht so toll aus, aber für
Andermatt war zumindest ab Mittag Sonnenschein
versprochen. Der Höhenweg und ein Kaffee in der
Albert Heim Hütte kam nicht in Frage, da ich mit
meiner kaputten Hand noch immer keinen Stock
benutzen kann und mir das auch sonst zu unsicher
ist, es hat noch immer Schnee dort oben.
Also rief ich das Tourismusbüro in Andermatt an
www.andermatt.ch und bekam dort den Tipp,
nach Realp zu wandern. Der nette Herr am Telefon
versprach auch schönes Wetter und so entschied
ich mich für diese Strecke, obwohl ich mir da
eher eine langweilige Flachlandstrecke
vorstellte...egal, ich wollte wandern!
Kati ging es ebenso und sie sagte spontan zu,
mitzukommen und so trafen wir uns am Morgen bei
den riesigen Fussballern im Hauptbahnhof, neben
den sicher 2 Meter grossen Füssen von Ballack
Die Jungs scheinen derzeit als Treffpunkt sehr
beliebt zu sein, es sassen noch einige
Wandersleute mehr dort.
Die Zugfahrt war eine ziemlich trübe
Angelegenheit, Nieselregen und graue Wolken
liesen die Landschaft trostlos vorbeiziehen.
Jedoch gefiel sie uns, je weiter wir durch Uri
fuhren, sogar bei schlechtem Wetter und dies
hielt bis Göschenen an. Dort stiegen wir aus und
erschraken über die Kälte...so
hatten wir das nicht erwartet, nass,
kalt, windig, brrrrr....
Da uns der Schaffner noch drauf hinwies, dass
wir über den Bahnhofplatz zur Bahn nach
Andermatt laufen müssen und auf der
gegenüberliegenden Seite an der Mauer ein
grosser Pfeil nach links zeigt:
15
min.Andermatt, nahm ich zuerst an, dass
eine kurze Wanderung zu irgendeiner Bahn, die
uns ans Ziel bringen wird, fällig ist und wir
zogen alles an, was wir einstecken hatten,
setzten die Rucksäcke wieder auf und...sahen,
dass der "Bahnhofplatz" eigentlich keiner ist,
die Matterhorn Gotthard Bahn gleich nebenan auf
einem Gleis wartet und wir nur noch einsteigen
mussten. Die
Fahrzeit beträgt also 15 Minuten... Gerne
wären wir länger sitzen geblieben, die Strecke
ist traumhaft mit der türkisfarbenen Reuss, den
hellgrauen Felsbrocken, der Teufelsbrücke...wie
eine Filmkulisse!
In Andermatt trieb der Wind dunkle, tiefe Wolken
vor sich her und wir suchten zuerst das
Tourismusbüro, um uns die Strecke erklären zu
lassen und das Wetter zu reklamieren
Es befindet sich zur Zeit provisorisch in einem
Container: vom Bahnhof nach links schräg über
die Strasse laufen und man steht direkt davor.
Der nette Herr vom Telefon hat scheinbar keinen
Draht zum Wettergott, aber jede Menge Ahnung von
der Umgebung, gute Tipps und weiss auch, wo
unterwegs Gasthäuser zum Aufwärmen stehen. Er
versorgte uns mit einer kleinen Karte und
weiteren Prospekten und gab den Tipp, zu Beginn
durchs Dort zu laufen.
Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken!
Ich kannte Andermatt nur daher, dass ich mal mit
einem Kollege durchgefahren bin und war damals
schon begeistert. Aber jetzt kann ich überzeugt
sagen: für mich ist es das schönste Dorf, in
welchem ich je gewesen bin!
Wahrscheinlich nicht extra für uns, aber doch
genau zur richtigen Minute, erwartete uns eine
Überraschung am Ortsausgang. Genau in dem
Moment, wo wir ankamen, machte sich eine muntere
Herde Rinder, geschmückt mit ihren schönsten,
grössten Glocken, auf dem Weg zum Sommerquartier
auf die Unteralp. Die Wolken rissen auf und der
Gipfel eines Berges kam zum Vorschein...
Bilderbuchschweiz. Fast schon kitschig. Da waren
wir wirklich zur richtigen Zeit am richtigen
Ort.

Die Wanderung geht nun ortsauswärts und nach
wenigen Metern rechts über eine Brücke, hinter
welcher bereits der erste der unzähligen
Wegweiser steht.

Der gesamte Weg ist so gut ausgeschildert und
gekennzeichnet, eine Karte braucht es wirklich
nicht. Unsere
Strecke führt in 2 Stunden 25 Minuten über
Hospental nach Realp. Nennenswerte Höhenmeter
hat es keine, Andermatt liegt auf 1436m und
Realp auf 1538m. Das bedeutet aber auch,
das von Beginn an unzählige Bergblumen um uns
herum blühten. Mit Kati hatte ich eine
Wanderkollegin, die daran auch so viel Freude
hat wie ich. Gruppen laufen leider meist achtlos
an der herrlichen Natur vorbei. Uns entging
keine der kleinen Schönheiten am Weg und Kati
kannte von vielen sogar die Namen.
Der Wanderweg führt bis Realp eigentlich an der
Reuss entlang, mal direkt am Ufer, mal etwas
erhöht, dann liegt die Bahnschiene dazwischen,
aber verlaufen ist praktisch unmöglich.
Wir bogen nur einmal falsch ab, weil wir uns an
den üppigen Blumenwiesen nicht sattsehen konnten
und unseren Weg links liegen liesen um den
Trampelpfad rechts zu nehmen... das war jedoch
keiner und sah bloss so aus
. Scheinbar parkierte hier der Älpler und lief
mit seinen Arbeitern in die Alp hinein zum
Zäunen. Denn plötzlich standen wir in
kunterbunten, kniehohen Blumen, umgeben von
elektrischen Zäunen und die Spur, woher wir
kamen, war auch nicht mehr zu sehen, da sich das
niedergetretene Gras schon wieder aufgerichtet
hat. Das war ein bisschen wie ein
Natur-Irrgarten, kaum hatten wir einen Zaun
überklettert, standen zwei Neue vor uns.
Zwischendurch wurde es noch etwas sumpfig und
wie üblich war natürlich ich die jenige, die
einsank
.
Aber wie schon erwähnt, verlaufen nicht möglich
und mit viel Lachen und Spass erlangten wir
unsere Freiheit wieder.
Einige Bauern hatten ihre Tiere schon auf den
Alpen und wir sahen noch nie so gemischte
Herden, Rinder von den verschiedensten Rassen
und das gleiche bei den Schafen. Da keine
anderen Wanderer unterwegs und die Tiere wohl
erst kurze Zeit draussen waren, wurden wir
neugierig beäugt, Ziegen lächelten uns an (aber
Ziegen lächeln ja immer) , ein mutiges Schäfli
steckte den Kopf durch den Zaun und liess sich
knuddeln. (Wieso spürte dieses den Strom nicht,
wir aber schon?
)
Hospental war schnell erreicht, aber ein
Wirtshaus brauchten wir nicht mehr, längst
schien die Sonne. Über das Gelände vom Bahnhof
gelangt man zu dieser Brücke, hinter welcher
dann auch schon der nächste Wegweiser steht
Unser ständiger Begleiter, die Matterhorn
Gotthard Bahn kam immer wieder vorbei, aber im
Gegensatz zu lärmenden Güterzügen oder S-Bahnen,
stört sie nicht, sondern passt perfekt in diese
Landschaft. Lustig war, dass der Panoramazug
jeweils vollbesetzt war, die andere Bahn
teilweise fast leer fuhr. Dabei ist diese
urgemütlich, sauber und mit kleinen Abteilen...
Nach Hospental gibt es bald eine weiter
Möglichkeit, einzukehren, die wir ebenfalls
ausliessen, wir bevorzugten es, in der
Blumenwiese auf einer Bank sitzend mit Blick auf
eine buntgemischte Schafherde zu picknicken.
Aber in Zumdorf gäbe es ein Restaurant. Hierhin
lärmten selbst an diesem Wochentag massenhaft
Motorradfahrer.
Noch etwas lärmte hier: da hat es eine kleine
Fabrik, die aus Felsen Schottersteine macht.
Sowas hab ich auch noch nie gesehen.
Wunderschön, idyllisch gehts weiter, der Reuss
entlang, auf einem schmalen Weglein. Eine kleine
Insel im türkisfarbenen Wasser leuchtete mit
ihrem hellen Sand, eine Bank und Feuerstelle ist
darauf, da müsste man mal im Sommer hin!
Und immer wieder: viele, viele Blumen, riesige
Tierherden, ganz selten mal ein Mensch, meist
ein Älpler oder ein Velofahrer, so verläuft der
Weg Richtung Realp. Die Berge ringsum machen
Lust auf Sommer und Höhenwege, darauf freue ich
mich schon mächtig. Aber diese gemütliche
Flachlandwanderung ist es auch wert, wiederholt
zu werden.
Hier noch ein paar Fotos von unterwegs
Kurz vor Realp führt der Weg durch eine grosse
Alp mit Steinhäusern, die ans Tessin erinnern.
Ausserdem kommt man an einer interessanten
Kirche vorbei, hinter welcher "irgendetwas"
Halbrundes aus massiven Steinen gemauert ist.
Wir nahmen an, dass dies vor Lawinen schützen
soll. ?? Das Kirchlein ist übrigens offen.
Die steilen Hänge auf der rechten Seite sind
eindrücklich und wahrscheinlich kommen da so
manche Lawinen runter?
Realp selbst ist ein verschlafenes Dörfli, wir
sahen nicht einen einzigen Mensch. Der Zug
zurück nach Göschenen fährt alle 2 Stunden und
wir hatten Glück, er fuhr genau in dem Moment in
den Bahnhof ein, als wir ankamen.
Es blieb aber noch die Zeit, schnell den
umfangreichen Wegweiser zu fotografieren, damit
Ihr eine Idee bekommt, wieviele interessante
Touren von diesem Ausgangspunkt möglich sind!
Die Bahnfahrt war wieder herrlich, aus dem
fahrenden Zug heraus fotografierte ich die
Teufelsbrücke
mein letztes Foto von diesem schönen Tag.
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