Bahnhof Biberbrugg 836m - über Altberg - Schwantenau (Naturschutzgebiet und Hochmoor) - Galgenchappeli 929m - Einsiedeln 882m
 

Kurzfristig änderte ich gestern meine ursprünglichen Wanderpläne, da niemand von den Wanderkollegen Lust und Zeit hatte, mit auf die vorgesehene Wanderung Seebodenalp- Vierwaldstättersee zu kommen. Diese Wanderung hatte ich bereits im letzten Herbst alleine gemacht und so beschloss ich am Morgen nach dem Frühstück, nicht so weit zu fahren und von Schindellegi über Biberbrugg nach Einsiedeln zu wandern. Die Sonne drückte schon als ich bei der zweiten Tasse Kaffee war durch die Wolken und ich war mir sicher, dass dies ein prächtiger Tag werden würde.
Dieser fing allerdings erstmal damit an, dass die ÖV in Zürich die Fahrpläne mal wieder wegen dem überall herrschenden Baustellenchaos nicht einhalten konnten. So nütze es mir auch nichts, genügend Zeit eingeplant zu haben, sie reichte trotzdem nicht ...und meine S-Bahn war weg. Auf der Fahrt zum Bahnhof Wiedikon beschloss ich, einfach den nächsten Zug zu nehmen und mich überraschen zu lassen, wohin er mich bringt, wandern kann man schliesslich in der Schweiz überall :-) Glücklicherweise kam die Bahn nach Pfäffikon SZ in der gleichen MInute am Gleis an, als ich auch endlich dort war, die Richtung stimmte also schon mal und dass ich von dort Anschluss in diverse Wandergebiete haben würde, war klar. Pfäffikon empfing mich wie immer mit Landluft und Kuhglockengeläut und schon war die Welt in Ordnung und die Chaosstadt ZH vergessen!!!
Jetzt musste ich nur noch entscheiden, ob ich Richtung Ziegelbrücke, nach Sargans, Chur oder Rapperswil fahren möchte, oder ein paar Minuten länger warte und dann tatsächlich eine Verbindung Richtung Einsiedeln habe. Die Entscheidung war schnell getroffen, aber da es schon bald Mittagszeit war, nahm ich mir nun nur noch die kurze Wanderung von Biberbrugg nach Einsiedeln vor, die ich als herrliche Winterwanderung hier schon mal beschrieben hatte.

Die Südostbahn kam überpünktlich und wie gewohnt, sauber, hell und freundlich (ist ja auch hierzulande längstens nicht mehr selbstverständlich) und Platz hatte es erst noch mehr als genug. So konnte ich die Fahrt durch diese wunderschöne Region so richtig geniessen und ...wurde in Biberbrugg von einer !!Baustelle!! empfangen....da ist es ja gut, wenn man trainiert ist, sich zwischen Bauschutt und Bauzäunen zurechtzufinden *lach* ... Startkaffee gab es keinen, jetzt wollte ich wirklich nur noch wandern!

Dieses Mal nahm ich nicht, wie in der Winterwanderung beschrieben, den Aufstieg gleich hinter der Brücke, denn dort oben weideten immer noch die netten Kühe, mit denen ich auf einer anderen Wanderung mal kurz Bekanntschaft schloss. Es sind sehr freundliche Tiere, aber etwas zu zutraulich für meinen Geschmack, vor allem, wenn ich alleine unterwegs bin, mag ich nicht mit Vierbeinern knuddeln, die das Zehnfache von mir wiegen!! So folgte ich noch ein Stück der Strasse. Es hat ein Trottoir (Gehweg), das hört aber plötzlich auf, weil....naja, weil es eben eine Baustelle hat. (echt, arbeitslose Bauarbeiter dürfte es doch in der Schweiz eigentlich gar nicht geben?????) und ein Hinweis, wie der Fussgänger jetzt seinen Weg fortsetzen soll, der fehlt. Also geht es ein paar Meter der Strasse entlang, kurz vor der Brücke rüber nach Bennau beginnt dann endlich der Wanderweg. Steil geht es hinauf. Bald führt der Weg zu Bauernhäusern, wo ein Schild warnt, dass nicht nur befahren, sondern auch begehen strafbar ist, gleichzeitig hat es aber auch ein Wanderwegschild. Ich konnte unbehelligt und straffrei meinen Weg fortsetzen, nur beäugt von neugierigen Schafmamas mit ihren süssen Babys.

Mit jedem Höhenmeter wurde die Aussicht gewaltiger und das ist auch das, was ich an dieser Wanderung so mag: Man hat die gesamte Zeit über das Bergpanorama vor sich und läuft auf diese traumhafte Bergkulisse zu. Links das Hochmoor, rechts sieht man in der Ferne bald schon Einsiedeln.

Goethes Spruch:
"Es ist ein Fehler bei Fussreisen, dass man nicht oft genug rückwärts sieht, wodurch man die schönsten Aussichten verliert."
den ich sonst so mag und gerne zitiere, macht auf dieser Strecke echt keinen Sinn.

Leider ist dieser herrliche Weg, den man eigentlich als Panoramaweg bezeichnen könnte, nicht so lang. Zeitangaben zu machen, fällt mir immer schwer, vor allem, wenn ich alleine wandere:  Es ist eine Halbtageswanderung, ideal, wenn man erst im Laufe des Vormittags beschliesst, wandern zu gehen. Ich fotografiere, schaue, schwatze mit Kühen und Katzen und natürlich auch mit Velofahrern, Bauern und anderen Wanderern, wer mir halt so auf dem Weg oder am Wegrand begegnet ;-) Gestern allerdings war ich beinahe alleine unterwegs.

Das änderte sich erst, als ich am Galgenchappeli  ankam, dort gibt es wieder eine kleine Strasse, wo aber auch relativ wenig Betrieb herrschte. Windgeschützt auf einer kleinen Bank neben dem Galgenchappeli genoss ich die wärmende Sonne (Winterjacke konnte im Rucksack bleiben) und mein Picknick, mit Blick über den Sihlsee bis hin zu den zum Teil bereits recht verschneiten Schwyzer Bergen.

Bevor ich weiterlief, kam ich selbstverständlich der Aufforderung an den Wanderer nach, den armen Seelen zu gedenken, die da geköpft wurden. ;-) Es ist dort übrigens etwas "renoviert" wurden, die persönlichen Nachrichten und Botschaften sind weg und die Infos neu gerahmt. Ordnung muss sein und der Stein, wo die Köpfe abgehauen wurden, steht unverändert an seinem Platz.

Nun folgte der sich etwas in die Länge ziehende Weg rein nach Einsiedeln. Leider die gesamte Strecke auf Asphalt.
Da ich fast eine Stunde Zeit hatte, bis mein Zug fuhr, besuchte ich also mal wieder das Kloster. Schade, kam ich fünf Minuten zu spät, um noch an einer Führung teilzunehmen. Natürlich lag auch noch ein Abstecher in den Klosterladen drin. Aber dort gibt es nicht, wie zum Beispiel im Kloster Fahr Selbstgemachtes (ausser Wein), keine Klostermedizin oder Handarbeiten, stattdessen Unmengen Kitsch, aber auch dies und das, was der Katholik so braucht. Man kann aber nicht nur leere Flaschen kaufen, um sie gratis mit Weihwasser zu füllen, man denkt auch an Buddhisten und Esoteriker, ob Zen Meditationsmusik oder beweihräucherte Heilsteinmischungen, alles da, was die Kasse klingeln lässt ;-)


 

Es war ein sehr abwechslungsreicher und wirklich herrlicher Tag. In der Winterwander-Beschreibung stehen weitere Infos zum Nachwandern und hier ist ein Link zum Kloster Einsiedeln, wer noch nie da war, sollte einen Besuch auf jeden Fall einplanen.

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